Hypochondrie – wenn die Angst vor Krankheiten krank macht

Ein Hypochonder hat eine unbegründete Angst, krank zu sein. Der Betroffene hat eine gestörte Einstellung zu seinem Körper. Er beobachtet seinen Körper und seine Körperfunktionen sowie die Organfunktionen mit einer unnormalen Einstellung. Dieses Verhalten ist zwanghaft. Der Hypochonder sucht voller Sorge nach Krankheitssymptomen, die er dann falsch interpretiert. Da wird ein Stechen in der Brust schnell zum Herzfehler diagnostiziert, jede Beule wird zum Krebsgeschwür, Kopfschmerzen zum Hirntumor. Die Gedanken kreisen immer wieder darum, dass Organe gerade zerstört werden, Krebs sich unbemerkt im Körper ausbreitet usw.

Der Hypochonder ist aber kein Simulant, er empfindet die Schmerzen wirklich, auch wenn es keine organische Ursache dafür gibt. Die Krankheit Hypochondrie hat oft zur Folge, dass der betroffene sich isoliert und frustriert ist und oft führt sie auch in eine andere psychiche Erkrankung wie eine Depression oder Panikstörung.

Wenn eine hypochondrische Störung vorliegt, sind nach der WHO folgende Kriterien erfüllt. Zum einen liegt eine anhaltende Überzeugung vor, dass eine oder mehrere ernthafte Erkrankungen Ursachen für die auftretenden Symptome sind, auch wenn jede Untersuchung dagegen spricht. Und zum anderen ist der Betroffene unbelehrbar und weigert sich den Rat und die Versicherung der Ärzte anzunehmen, das für seine Symptome keine körperlichen Ursachen vorliegen.

Ursachen für Hypochondrie liegen meist in den in der Vergangenheit liegenden Erfahrungen. Das können eigene Erfahrungen sein oder auch im Familien- oder Bekanntenkreis erlebte Erfahrungen. Vielleicht hat der Betroffenen selbst in seiner Kindheit eine schwere Krankheit überstanden oder auch ein Elternteil. Auch eine überbehütete Kindheit kann Auslöser sein.
Auch Fehldiagnosen von Ärzten, von denen man immer mal wieder hört, können das Vertrauen in Ärzte und ihre Diagnosen sehr schwächen.

Durchschnittlich dauert es bis zu 7 Jahren, bis die Diagnose Hypochondrie beim Betroffenen gestellt wird. Bis dahin hat dieser einen Ärztemarathon hinter sich und das Leiden ist chronisch geworden.

Hypochondrie kann mit einer Verhaltenstherapie therapiert werden. Dabei geht der Psychologe mit dem Betroffenen seine gesamte Lebens- und Leidensgeschichte noch einmal durch. Auch früher gestellte Diagnosen und Behandlungen werden noch einmal besprochen. Psychopharmaka wie Antidepressiva können die Krankheit nicht heilen, sondern den Heilungsprozess in besonders depressiven Phasen nur unterstützen. Mitunter kann auch nur ein Klinikaufenthalt den Heilungsprozess in Gang setzen. Die Körperwahrnehmung muss neu geschult werden und der Patient wieder körperlich fit gemacht werden. Die Erfolgsquoten liegen bei dieser Erkrankung sehr hoch.

Okt 24th, 2009 | By | Category: psychische Erkrankungen ,



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