Selbstverletzung – schneiden, ritzen, beißen, verbrennen – was tun?

Es gibt Menschen, die sich absichtlich selbst verletzten. Der Kreis der Betroffenen scheint zwar unter 1% der Bevölkerung zu liegen, aber die Tendenz ist steigend. Vor allem Mädchen und junge Frauen sind unter diesem 1% zu finden. Selbstverletzung kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. Schneiden oder ritzen ist dabei eine der häufigsten Form. Mit Rasierklingen, Messern oder Scherben schneiden sich die Betroffenen in die Haut bis ein starker Blutfluss auftritt. Bevorzugt werdend dabei Stellen, die gut durch Kleidung abgedeckt werden können, wie Arme, Beine, Brust und Bauch. Aber auch das Verbrennen mit der Zigarette, dem Bügeleisen oder der Herdplatte sind Selbstverletzungen, ebenso wie sich selbst schlagen, den Kopf gegen die Wand schlagen, Haare ausreißen, extremes Fingernägel kauen oder sich beißen. Es gibt allerdings noch viele weitere Beispiele von Selbstverletzungen.

Oft beginnt das selbstverletzende Verhalten im jugendlichen Alter ab 12 Jahren. Wer mit der Selbstverletzung beginnt, kann sehr leicht in eine Art Sucht geraten. Selten bleibt es bei einer einmaligen Selbstverletzung. Wobei man beachten sollte, dass nicht jede Selbstverletzung gleich eine Krankheit ist. Unter den Jugendlichen ist Selbstverletzung auch gelegentlich eine Mutprobe. Der betroffene der Selbstverletzungen begeht, gerät in einen ähnlichen Teufelskreis, wie ein Drogenabhängiger. Er kann allein dieses Verhalten nicht mehr steuern und er benötigt die „Droge Selbstverletzung“ immer häufiger und die Verletzungen werden schwerer.

Betroffene berichten, dass sie ihren Körper als gefühllos empfinden, getrennt vom Bewusstsein. Sie lehnen ihren Körper oft ab und haben nur noch den einzigen Wunsch etwas zu spüren. Selbstverletzung ist die für sie einzige logische Konsequenz um sich selbst und ihren Körper wieder wahrzunehmen. Manche wollen auch ihren seelischen Schmerz in andere Bahnen lenken und wandeln ihn durch die Selbstverletzung in körperlichen Schmerz um.

Die Ursachen für selbstverletzendes Verhalten (kurz SVV) können in unterschiedlichen Bereichen liegen. Traumatische Erlebnisse und Missbrauch können als Ursache vorliegen. Oft fühlen sich die betroffenen auch ungeliebt und haben Angst vor dem Alleinsein, ebenso haben sie meist Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass biochemische Prozesse eine entscheidende Rolle Spielen, wie zum Beispiel ein geringer Serotoninspiegel.

Um Selbstverletzung zu therapieren, benötigt der Betroffenen vor allem Einsicht und den Willen, an seiner Situation etwas zu ändern. Professionelle Hilfe ist bei der Behandlung dieser Erkrankung notwendig. In den meisten Fällen kommen Psychotherapie und mitunter auch Psychopharmaka zum Einsatz. Der Weg der Behandlung ist für die Betroffenen meist sehr schwer und sie benötigen dabei auch Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis. Letztlich ist die Selbstverletzung ein Ruf nach Hilfe und der Betroffene muss lernen, auf die Selbstverletzung zu verzichten und Worte zu finden um die Gefühle und Ängste die ihn quälen zu beschreiben.

Nov 9th, 2009 | By | Category: psychische Erkrankungen ,



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