Zwangshandlungen und Zwangsgedanken – wenn der Zwang dich beherrscht

Zwangshandlungen und Zwangsgedanken gehören zu den Zwangsstörungen.

Zwangshandlungen sind psychische Störungen die immer wiederkehrende Verhaltensweisen zeigen. Diese können sehr unterschiedlich sein. Es gibt Waschzwang, Reinigungszwang, Kontrollzwang, Ordnungszwang, Zählzwang, Sammelzwang usw. Letztlich kann sich alles zu einem Zwang entwickeln. Die Betroffenen wissen von der Sinnlosigkeit ihrer Handlungen und können doch nichts dagegen tun. Oft werden diese Rituale im Lauf der Zeit immer komplexer und ausgedehnter. Vergleichbar mit einem Süchtigen, der auch immer mehr seines Suchtmittels braucht.

Zwangsgedanken können zwanghafte Ideen, moralisch verwerfliche Gedanken, bildhafte Vorstellungen oder Zwangsimpulse ( etwas aussprechen müssen, mit Dingen werfen müssen … ) sein. Das ist für die Betroffenen sehr quälend. Zwanghafte Ideen können Überlegungen über alle möglichen Alternativen sein, ohne jemals eine wirkliche Entscheidung treffen zu können. Vergleichbar mit einem Ohrwurm, der jeden von uns schon mal erwischt hat. Auch sexuelle Zwangsgedanken gibt es, immer verbunden mit den Befürchtungen andere damit zu belästigen. Sehr häufig kommen auch Gedanken über Hygiene und Gesundheit vor.

Es wird geschätzt, dass etwa 1-2% der Bevölkerung von Zwangsstörungen betroffen ist. Das sind ca. 1,6 Millionen Menschen. Mittlerweile geht man aufgrund von Studien davon aus, dass diese Störung erblich bedingt ist. Wobei nicht bei jedem, der diese in seinen Genen trägt auch davon betroffen ist. Das Risiko an einer Zwangsstörung zu erkranken ist nur größer. Der Hirnstoffwechsel ist gestört. Dafür spricht auch, dass viele Betroffene gut auf Antidepressiva ansprechen. Menschen mit Zwangsstörungen sind oft unsichere und ängstliche Menschen. Sie flüchten nahezu in ihre Zwänge.
Zwangsstörungen beginnen meistens in der Kindheit, auch wenn sie da noch nicht so ausgeprägt und erkennbar sind. Im Erwachsenenalter zeigen sich dann die Störungen. Deswegen ist der Beginn der Erkrankung auch bei fast allen Betroffenen vor dem 35. Lebensjahr.

Lange galt die Behandlung von Zwangsstörungen als nahezu unmöglich. Das ist aber nicht mehr so. Eine vollkommene Heilung ist allerdings fast ausgeschlossen. Er bleibt immer im Hinterkopf und muss zurückgedrängt werden. Die Betroffenen werden meist mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern ( SSRI) behandelt. Parallel dazu findet eine Verhaltenstherapie statt. Der Patient wird gezielt in Situationen versetzt in denen er normalerweise mit zwanghaften Handlungen reagiert, darf diese aber nicht ausführen. So lernt er nach und nach damit umzugehen und den Zwang zu unterdrücken.
Schwieriger sind Zwangsgedanken zu behandeln. Man kann keinem Menschen verbieten bestimmte Gedanken nicht zu denken. Man kann nur versuchen, den Gedanken eine andere Wertigkeit zu geben, damit sie nicht mehr so häufig auftauchen. Problematisch ist aber dabei immer wieder, dass es zum einen zu wenig speziell ausgebildete Therapeuten gibt und das viele Betroffene erst nach Jahren Hilfe suchen.

Okt 15th, 2009 | By | Category: psychische Erkrankungen ,



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2 comments
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  1. Hallo liebes Team vom Gesundheitsportal!
    Wärt ihr wohl so lieb und könntet eine Quelle für diese Informationen angeben?
    Ich find den Wert von 1-2% verdammt hoch, 1,5 Mio Menschen… :-O
    Mfg Christian

  2. Hallo. Focus Online hat die Zahlen bekanntgegeben. 1-2% von 80 Mio..

    LG

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